PREDIGT: Das Zeugnis des Täufers von Christus (Johannes 1, 15-18)

Erzpriester Alexej Wassin

Проповедь преподавателя Минских духовных академии и семинарии протоиерея Алексия Васина, произнесенная 6 января 2011 г. в евангелической общине церкви св. Мартина в г. Пфуллинген  (Баден – Вюртемберг,  Германия).

Predigttext  Johannes 1, 15-18: Das Zeugnis des Täufers von Christus

Predigt: von Erzpriester Alexej Wassin aus Weißrussland. „Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt“. (1Johannes 2, 8).

Liebe Gemeinde,
liebe Freundinnen und Freunde,

heute feiert die christliche Kirche das Epiphanias-Fest. Der Name kommt vom Griechischen und bedeutet das Fest der Erscheinung. Aber was ist erschienen? Oder wer ist erschienen? Ja, Gott ist uns erschienen! Wir feiern die Tatsache, dass Gott selbst uns erschienen ist. Wieso ist das für uns ein Fest? Was für ein Fest ist das? Haben wir nichts anderes zu feiern? Es gibt doch viele Möglichkeiten und viele Anlässe ein Fest zu veranstalten. Die römisch-katholische Kirche sagt, dass an diesem Tage drei Könige aus dem Osten den neugeborenen Jesus angebetet und verehrt haben. Die evangelische Kirche unterstreicht, dass in der Bibel von den Weisen aus dem Morgenland die Rede ist. Es steht nicht geschrieben, dass es Könige gewesen seien. Die Kirche des Ostens, die orthodoxe Kirche, nennt das heutige Fest Theophanie. Für sie ist es das Fest der Taufe Christi. Im Wort Theophanie steckt dasselbe Wort „Erscheinung“ wie in Epiphanias. Aber mit dem ersten Teil des Wortes, mit „Theo“, das Gott bedeutet, hat es die Bedeutung „Erscheinung Gottes“. Die alten liturgischen Texte zeigen uns, dass der Sinn des Festes die Erscheinung des Dreieinigen Gottes am Jordan ist, vor Johannes dem Täufer. Bei der Taufe Jesu hat sich der dreieinige Gott der Menschheit offenbart! In der Ostkirche gibt es eine Art von liturgischen Gesängen, die das Geschehen des Tages oder des Festes erklären. Zu diesem Fest wird gesungen:

“Als Du im Jordan getauft wurdest, o Herr, wurde offenbar die Anbetung der Dreifaltigkeit. Denn des Vaters Stimme gab Dir das Zeugnis und nannte Dich den geliebten Sohn. Und der Geist in Gestalt einer Taube verkündete des Wortes Untrüglichkeit. Der Du erschienen bist, Christus, als Gott, und die Welt erleuchtet hast, Ehre sei Dir“. (Troparion, 1. Ton)

“Du erschienst heute der Welt, und Dein Licht, o Herr, hat uns erleuchtet, damit wir dir bewusst lobsingen. Du kamst zu uns, Du erschienst uns, obwohl Du von keinem Menschen gesehen werden kannst.“ (Kondakion, 4. Ton)

Wir feiern also die Tatsachen der Anbetung der Weisen und der Taufe Jesu, weil sie uns gezeigt haben, dass die Menschheit eine Möglichkeit bekommen hat, Gott zu sehen. Die Heilige Schrift sagt uns, dass so etwas in der Zeit davor unmöglich gewesen ist: „Niemand hat Gott je gesehen!“. Aber „der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt». Der Eingeborene ist Jesus Christus, der Sohn Gottes. Er ist unserem Glaubensbekenntnis nach gleichzeitig wahrer Mensch und wahrer Gott. Er war aus dem Schoß des Vaters. Das bedeutet, dass er gleicher Natur, also eins mit dem Vater ist.

Im Lied „Das deutsche Credo“ schreibt Martin Luther von der Person Christi so: „Wir glauben auch an Jesus Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren, von Maria, der Jungfrauen, ist ein wahrer Mensch geboren durch den Heilgen Geist im Glauben; für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott“. Aber was für eine Freude ist das für uns? Was haben wir davon? Sehr viele Menschen in der Welt haben noch keinen Sinn in diesen biblischen Geschichten entdeckt. Manchmal scheint es vielleicht sehr volkstümlich zu sein, an solche Geschichten zu glauben. Für manche ist es vielleicht zu philosophisch, an die Beziehungen zwischen Gott und Mensch zu denken. Das Evangelium, die Gute Nachricht, möchte uns aber sagen: “Um die Liebe Gottes zu entdecken, braucht man kein großer Philosoph zu sein.

Warum aber gibt’s Menschen, die von der Liebe Gottes nicht berührt sind? Weil das pragmatische Denken sehr oft eine falsche Akzentsetzung in den Alltag eines Menschen bringt. In der slawischen Sprache heißt Mensch „Tschelowjek“. Wörtlich übersetzt meint dies ein Wesen, dessen Intellekt, Geist, und alle Fasern seines Wesens zur Ewigkeit hin ausgerichtet sind. Der slawischen Menschenkunde nach ist ein Mensch ein Wesen, das immer an die Ewigkeit denkt. Ein Mensch, und nur ein Mensch, kann das Herz für Gott öffnen. Nur dem Menschen kann es gelingen, Gott in sein Inneres hinein einzuladen. Vorausgesetzt ist, dass er seine Gefühle nicht nur einer raum- und zeitbegrenzten Kreatur oder einer materiellen Sache öffnet, sondern der ganzen Ewigkeit und der räumlichen Unbegrenztheit. Übertriebenes materialistisches Denken führt zu der Gefahr, dass ein Mensch blind wird für die Erkenntnis Gottes. Wir müssen unser Denken, zusammen mit dem Herzen, für Einflüsse der Ewigkeit und für Gott öffnen. So wird ein Mensch dann zu einer Welt, die das ganze Universum einschließt, zu einem Mikrokosmos, wie es viele Kirchenschriftsteller nennen. Gott können wir nur von unserem Innern aus sehen. Genau so, wie z.B. Gerüche oder Gefühle, die nur dann verstanden werden können, wenn man sie persönlich und selbständig innerlich erlebt. Kein Mensch schafft es, einem blindgeborenen zu erklären, wie die Farben aussehen. Der aus Gottes Schoß geborene Jesus hat uns also gezeigt, wie man die Liebe Gottes entdeckt. Er wurde aus dem Schoß Gottes geboren. Der Schoß Gottes ist biblisch betrachtet als Ewigkeit zu verstehen. Jesus wurde aus der Ewigkeit in die Zeit hinein und als Mensch geboren. Aber er war auch vor aller Zeit. Deswegen sagt Johannes der Täufer von ihm klar und deutlich: „Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich“. Was hat Jesus uns aus der Ewigkeit mitgebracht, damit wir jetzt Gott persönlich kennen lernen können? Das ist der Heilige Geist. Er reinigt unsere Herzen, damit die Heilige Dreieinigkeit in uns lebt und unsere Gefühle zu Gefühlen der Liebe Gottes entwickelt. Der Glaube an den Dreieinigen Gott ist im Christentum zu einem Zeichen an die väterliche Liebe Gottes zu den verlorenen Menschen geworden. Diesen Weg hat uns Jesus als wahrer Mensch gezeigt und wir können davon profitieren. Wir können davon leben. Dazu sagt der Evangelist: “und von seiner Fülle haben wir alle genommen…“. Wir sind diejenigen, die von seiner Fülle genommen haben Gnade um Gnade, wir, die wir hier in dieser Kirche und in anderen Gotteshäusern versammelt sind. Mit dem Wörtchen „wir“ kommt zum Ausdruck, dass noch nicht alle Gottes Fülle empfangen haben. Es gibt Menschen, die den Erweis von Gottes Liebe noch nicht für sich entdeckt haben. Damit aber auch diese Menschen die Liebe Gottes für sich empfangen, ist ihnen empfohlen, sich mit ihrem persönlichen Willen für Gottes Zuwendung zu öffnen. Es kann dann passieren, dass solche Menschen von innen heraus die Liebe Gottes spüren und dann diese Liebe anderen Menschen bezeugen. Auf diese Weise war auch Johannes der Täufer ein Zeuge für Jesus. In Vers 15 wird davon gesagt: „Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft“. Damit auch wir die Liebe Gottes selbst entdecken und daran glauben, sollen wir allen Menschen um uns herum davon erzählen. Unser Zeugnis hilft uns, real und nicht nur scheinbar zu glauben.

Das vornehmste Gebot war für Christus und für die Gesetzeslehrer „Höre Israel, unser Gott ist einiger Gott… Liebe Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen Kräften!“ Während Jesus dieses Gebot in Markus 12, 29 den Schriftgelehrten erklärt, denkt er bestimmt an weitere Verse aus dem 6. Kapitel des fünften Mosebuches, wo es heißt: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore“ (Verse 6-9). Wir sollen also immer, überall und gegenüber allen von der Liebe zu Gott sprechen. So werden wir Zeugen Gottes sein, Zeugen seiner Liebe. Die Liebe Gottes ist uns mit Christus als Gnade gegeben. „Gnade um Gnade“ heißt es im Evangelium. Eine Gnade für eine andere Gnade. Das Neue Testament wurde als Gnade für das Alte Testament gegeben. Eine Liebe wurde für eine andere Liebe gegeben. Früher waren wir Sklaven und Knechte Gottes, wie es im Neuen Testament heißt. Durch Gottes Liebe und Gnade sind wir zu seinen geliebten Söhnen und Töchtern geworden. Dies ist gemeint mit dem Satz “das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“.

Niemand von uns hat solche Zuwendung verdient. Allein aus lauter Gnade haben wir sie empfangen. Unsere Liebe für den Nächsten besteht darin, dass wir dem Nächsten zeigen, wie man sich der Liebe Gottes zuwendet und sie annimmt und davon profitiert. Davon leben alle Christen. Wenn wir unterschiedliche Länder und Kulturen anschauen, sehen wir sofort, ob der Zustand einer Gesellschaft von der Liebe zwischen den Menschen und dem Respekt zu Gott und zu dem Nächsten geprägt ist. Die Liebe ist also eine der Voraussetzungen für das Wohl einer Gesellschaft. Doch wie viele Länder liegen noch mit sich selbst und mit anderen Ländern im Streit? In wie vielen Ländern werden noch Menschen unterdrückt?! Wie viele Länder sind heute, im XXI. Jahrhundert, noch unterentwickelt und ihre Einwohner leiden große Not?! Es gibt solche, die fast alles haben, es gibt aber auch die, die fast nichts haben, sogar nicht einmal Wasser zum Trinken oder ein Hemd zum Anziehen. Solches passiert, weil nicht alle, die sich christlich nennen, verstanden haben, dass ein Christ Gott in der Gesellschaft erscheinen lassen soll und dass Gottes Gegenwart sichtbar und spürbar sein will. Als heutige Missionare sollten wir die Mission der Weisen aus dem Morgenland zum Vorbild nehmen und wie sie die Mission in der heutigen Zeit erfüllen. Es soll so sein, wie Martin Luther es in seinem Gedicht ausdrückt:

„Dem Stern die Weisen folgen nach,
Solch Licht zum rechten Licht sie bracht.
Sie zeigen mit den Gaben drei,
Dies Kind Gott, Mensch und König sei“!

Die drei Gaben, die die Weisen gebracht haben, um Christus als Gott, König und Hohepriester erscheinen zu lassen, sind Gold, Weihrauch und Myrrhe, die königliche Salbe. Die drei Geschenke sind Symbole für die drei christlichen Tugenden Liebe, Glaube und Hoffnung. Die Liebe aber ist die größte Tugend, wie der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief sagt. Martin Luther hat das Prinzip „sola fide“ – allein durch Glauben — ausgearbeitet, was damals für die Glaubenslehre wichtig war. Ich möchte heute gerne dieses Prinzip von Martin Luther ergänzen. Ich würde seinem Glaubensprinzip noch das „sola caritate“ oder „sola amor“ – allein durch Liebe — hinzufügen. Unsere Liebe zu Gott kann nur dann geübt werden, wenn wir unsere Liebe den Menschen erweisen, die in Not sind. Unsere Mission ist, Gott in der Welt erscheinen zu lassen, als König und Hoherpriester, wie einst die Weisen aus dem Morgenland. So sollen wir heute „Weise aus dem Morgenland“ für unsere Mitmenschen werden, um ihnen den Weg zu Christus zu weisen.

Jesus hat uns mit seiner Taufe, an die die Ostkirche am 6. Januar erinnert, ein Beispiel gegeben, wie wir Gott geweiht werden können. Mit der Taufe wird jede und jeder von uns zu Christi Jünger. Jeder von uns bekommt seine eigene Mission, das Reich Gottes zu verkünden. Wir haben den schönen missionarischen Auftrag, den Menschen zu zeigen, dass die Liebe Gottes aus uns Heilige macht. Unsere Buße und die Taufe machen uns zu Erben des Reiches Gottes und lassen dadurch Gott für uns und für andere erscheinen.

„Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt“ (1 Johannes 2, 8). Ich möchte gerne die Predigt mit einem Gedicht von Martin Luther beenden:

„Sein Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren,
Dass sie verlorn in Sünden ist, Sich soll zur Buße kehren.
Wer glaubet und sich taufen lässt, Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt, Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben“.

Amen

Liedansage: Der eben zitierte Text stammt aus dem Lied „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“. Lasst uns zusammen singen. Lied Nr. 202, die Strophen 1-4 und 7.

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